Entwicklung durch Vernetzung
Überregionales Netzwerktreffen von Schule interaktiv in Bonn
Beim Netzwerktreffen des Projekts "Schule interaktiv" der Deutsche Telekom Stiftung trafen am 24. und 25. November 2011 in Bonn Praxis erfahrene Schulentwickler aus dem Projekt und Vertreter der staatlichen Bildungsadministration aufeinander. Beide Seiten verfolgen das Ziel, Schule und Unterricht mit Medien weiter zu entwickeln. Außerdem tauschten sich die rund 80 Lehrer und Lehrerinnen, die knapp 40 Schulen des überregionalen Netzwerks aus drei Bundesländern repräsentieren, in Workshops über die Frage aus, wie die Grundschule und die weiterführende Schule im Bereich der Medienbildung besser zusammen arbeiten können.
Mit der dritten Phase des Projekts Schule interaktiv rückte das Thema "Übergang", die inhaltlich abgestimmte Zusammenarbeit von Grund- und weiterführender Schule zur Verbesserung der Medienkompetenz, auf die Tagesordnung. Zum ersten Mal wurden im Rahmen des Projekts auch Grundschulen gecoacht. Kollegen und Kolleginnen, die das Projekt der Deutsche Telekom Stiftung seit sechs Jahren umsetzen, hatten zum ersten Mal mit Belangen der Grundschule zu tun. Stefan Neureiter hält fest: "Die Tagung in Bonn war aus meiner Sicht der erste Auftakt, sich mit dem Thema systematisch zu befassen." Die Idee für die Tagung drängte sich förmlich auf. Denn es galt ein Thema zu finden, das sowohl für weiterführende Schulen als auch für Grundschulen von Interesse ist.
Zum Auftakt der Konferenz kamen zunächst externe Gäste zu Wort. Severin Teschner von der Medienberatung NRW stellte den Medienpass NRW vor. Der Pass soll eine strukturierte und systematische Vorgehensweise bei der Vermittlung von Medienbildung an Grundschulen ermöglichen. Er wird aktuell in einem mehrstufigen Verfahren erarbeitet. Experten und Expertinnen arbeiten nun an einem Kompetenzrahmen, der Lehrerinnen und Lehrern sowie Fachkräften der Jugendarbeit als Orientierung dienen soll.
Der Lehrplankompass solle als Brücke wirken, damit die Pädagogen und Pädagoginnen durch eine niedrige Einstiegshürde zum Mitmachen ermutigt werden. Der Medienpass ist der Versuch, an den Grundschulen Medienkompetenzentwicklung stärker in den Blick zu nehmen.
Die Diskussion verdeutlichte die unterschiedlichen Ansätze der Initiativen, die das gleiche Ziel verfolgen. Schule interaktiv setzte auf eine Entwicklung "von unten", um die Schule als Ganzes durch den Einsatz neuer Medien in Bewegung zu setzen. Die Initiative der Landesregierung kommt mit ihrem Angebot "von oben", um Unterricht zu verbessern und um medienpädagogisch zu bilden. Für die Stiftung ist es erfreulich, dass Nordrhein-Westfalen Erkenntnisse aus Schule interaktiv aufgreifen konnte. Dazu zählt vor allem der Netzwerkgedanke, der sich unter den Schulen noch viel stärker verbreiten muss.
Differenzierte Positionen zu Facebook
Als das Thema "Internet, Datenschutz und soziale Netzwerke" aufgerufen wurde, entspann sich unter den rund 80 Teilnehmern und Teilnehmerinnen eine Diskussion über die Rolle der Lehrer und Lehrerinnen bei Facebook. Facebook, die Website zur Bildung und Unterhaltung sozialer Netzwerke wird an Schulen, die sich einen medienpädagogischen Auftrag stellen, automatisch zum Thema, weil sie zur Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen gehören. Mehrere Tagungsgäste hielten das Coaching von Lehrern und Eltern zur Steigerung der Medienkompetenz für unerlässlich. Ein Teilnehmer berichtete, dass er bei Facebook die Chance nutze, erzieherisch tätig zu werden, denn er interessiere sich real wie virtuell für die Welt seiner Schüler und Schülerinnen. Er machte via Facebook eine Schülerin darauf aufmerksam, dass es nicht klug sei, via Pinwand zu verkünden, bei einer der letzten Klassenarbeiten abgeschrieben zu haben. „Medienkompetenz müsse bei Lehrern wie Eltern erweitert und geweckt werden. Andernfalls brauche man ein medienpädagogisches Schulentwicklungsprojekt nicht aufzusetzen.“ Dabei genüge es, wenn die Lehrkräfte als kundige Beobachter und Moderatoren agierten, die das Wissen und Können der Schülerinnen und Schüler aufgreifen und zusammenführen können.
Um sich zu verdeutlichen, wie die Zusammenarbeit zwischen Grund- und weiterführender Schule verbessert werden kann, fanden sich in vier Workshops neben den weiterführenden Schulen, darunter Gymnasien, Gesamtschulen und Mittelschulen, etwa fünf Grundschulen ein.
Zum Status Quo hielt der Workshop fest: Die Kenntnisse der Lehrkräfte beider Schultypen sind gering, geht es um die Kompetenzen im Bereich der Medienbildung in der jeweils anderen Schulform. Grundschullehrer haben sich nicht mit den Erwartungen und Anforderungen der Sekundarstufen beschäftigt und umgekehrt wissen die Sekundarstufenlehrer nicht, was die Grundschulen vermitteln. Es gibt also im Bereich der Medienbildung keinen nahtlosen Übergang. Die Schulen müssen mehr über die Inhalte der jeweils anderen Schulform wissen. Ein Arbeitskreis "Übergang" wäre ein denkbares Instrument für den Ausbau des Wissens. Der Workshop unterstrich an die Adresse der Bildungsadministration, das Bildungsstandards im Bereich der Medienbildung schon so formuliert werden müssten, dass der Übergang mit einbezogen wird. "Ein erster wichtiger Schritt ist die Entwicklung eines gemeinsamen Abschlussprofils der Grundschulen. Dafür müssten sich Grundschulverbünde bilden. Ein zweiter Schritt wäre der Austausch dieses Abschlussprofils mit den weiterführenden Schulen und die Auswertung ihrer Rückmeldung. Der dritte entscheidende Schritt sei der Aufbau der Medienbildung in Grundschulen und weiterführenden Schulen auf der Grundlage des Abschlussprofils."
Den besonderen Wert des Workshops sahen die Lehrkräfte darin, dass eine neue Zusammenarbeit zwischen Grund- und weiterführenden Schulen begründet worden sei. In den vergangen Jahren sei dieses Feld allein schon deshalb zu kurz gekommen, weil Grundschulen vorher im Projekt Schule interaktiv gar nicht vertreten waren. Eine Teilnehmerin resümierte: "Dies kann für die Zukunft eine sehr spannende und interessante Aufgabe sein."
Mit einem Appell verabschiedete Dr. Gerd Hanekamp, Leiter Programme der Telekom Stiftung, nach der offenen Ergebnispräsentation aus den vier Arbeitsgruppen die Akteure des Netzwerktreffens Schule interaktiv in Bonn. Entscheidend sei die Arbeit der Bildungsadministration. Deshalb ermunterte er die Projektteilnehmer und -teilnehmerinnen: "Melden Sie sich in Ihren Bundesländern zu Wort. Signalisieren Sie Interesse und unterstreichen Sie, dass auf dem Feld der Schulentwicklung mit Medien mehr passieren muss. Ermöglichen Sie Schule interaktiv eine produktive Zukunft."
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